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Mad East Enduro 2011 by Nicolai

von , 30. Juni 2011
Mad East Enduro 2011

Mad East Enduro 2011

1. Internationale Deutsche MTB Enduro Meisterschaft. Am Ende wird abgerechnet!

Ines Thoma/Mounatin Heros und David Schatzki/MTB Bande Schatzki sowie Hardtail Fahrer Elias Neubert sind die ersten Deutschen Meister im MTB Enduro. Besonders umkämpft und spannend war das Herrenrennen. Knappe 10 Sekunden Vorsprung auf Frank Schneider/Gates Nicolai und André Kleindienst/Bergamont verhalfen David Schatzki, dem Vorjahressieger, zu seinem zweiten Mad East Enduro Sieg und damit auch zum Titel bei der international offenen Meisterschaft. Dabei war nach fünf von sechs Prüfungen noch ein anderer auf Titelkurs. 

Er rollte als erster über die Startlinie an der Bobbahn in Altenberg und war vor allen anderen im Ziel mitten in der Eissporthalle in Geising. Er hatte sich ins Zeug geworfen und alles gegeben. Dennoch sah man Bergamont Teamfahrer André Kleindienst die Enttäuschung mehr an als die Erschöpfung.Vom Downhillsport kommend ist André seit Jahren eine feste Größe im Marathon und XC-Bereich geworden. Er wollte hier bei der Internationalen Enduro DM den Sieg, bei dieser Disziplin, die so zwischen den Stühlen ist wie er. Er spürte im Rennen, dass es berechtigte Hoffnungen sind und ahnte am Ziel dann, was später zur Gewissheit werden sollte. Ein technischer Lapsus, eine abgesprungene Kette, kostete ihn Sekunden. Zu viele. (Viel-) Leicht hätte das Problem zu verhindern gewesen. Eine schaltbare Kettenführung wäre es gewesen. Ein Bauteil übrigens, dass die meisten der Konkurrenten hatte.

Zoom zurück zur Bobbahn: Kleindienst startete energisch. Er tat das später ebenso in jede der folgenden Wertungsprüfungen. Er fuhr das gesamte Rennen von vorne, sprich er fuhr sehr zügig über die Transferetappen und dürfte fast immer als erster in die Wertungsprüfngen eingefahren sein. Die Fahrer sind beim Mad East Enduro ja an keine Reihenfolge gebunden und damit frei in der Wahl des Tempos für die Transferetappen. Kleindienst war 2008 Deutscher Meister im XC in der Klasse Masters 1 und war nach Top Fünf Ergebnissen bei nationalen Downhill-Events auch schon Teil der Gravity-Nationalmannschaft. Wie fit er ist, hatte er übrigens am Tag vor dem Enduro am Prolog des Marathon-Etappenrennens bewiesen, indem er den Sieben-km-Test einfach gewann. Deshalb fuhr er im Leadertrikot der Mad East Challenge. Sicher auch ein Novum in acht Jahren Mad East, dass der Schnellste nach dem ersten Tag am zweiten Tag den Focus aufs Bergabfahren legt.

Zum Trost jedenfalls ging André am Sonntag dann noch beim Minimarathon an den Start und siegte wieder ebenso souverän wie beim Prolog, mit 9 Minuten Vorsprung auf den nächsten in seiner Altersklasse. 

Solch ein Drei-Tages-Programm absolvierte übrigens auch der XC Junior Christian Ehrke, der in Altenberg trainiert. Mit dem gleichen Ergebnis wie bei Kleindienst. Sieg am Freitag und Sonntag in seiner Altersklasse und der Dritte der Hardtailklasse bei Enduro.

Während Kleindienst in drei Prüfungen die beste Fahrzeit herausholte, gelang es Schneider und Schatzki genau wie dem Vierten, Daniel Jahn und dem Fünften, Robin Eugen Seifahrt, je ein mal die Goldzeit erreichten. Doch in der letzten Wertungsgprüfung, ausgerechnet der High Speed Etappe hinunter nach Geising mit Ziel direkt in der Eissporthalle, fiel André die Kette von der Dreifach-Kurbelgarnitur und verwickelte sich um den Kurbelarm. Vermutlich kostete ihn das den Sieg, sicher ist jedoch das er in der letzten Prüfung 18 Sekunden auf Schatzki und 14 auf Schneider einbüßte. Andererseits hatten seine beiden Kontrahenten ihrerseits auch nicht immer ihre beste Performance zeigen können. Frank Schneider, kürzlich bestand er seine lezte Technikerprüfung, erschien mit einem niegelnagelneuen Rad auf den letzten Drücker am Start. Der Dämpfer wurde erst an der Bobbahn mit Luft befüllt: „Auf den ersten beiden Prüfungen musste ich erstmal die Beläge einbremsen." Ein Bodenkontakt in der WP1 war da noch das kleinere Übel. Und auch Schatzki hatte mindestens zwei Stürze. Einmal direkt vor den Augen der versammelten Konkurrenz auf einer schwungvollen Wiesenkurve am Skihang in Hermsdorf. „So richtig rund lief es anfangs nicht.“ Mag sein, aber wieder einmal bewies der Oschatzer, das er zu den am meisten unter repräsentierten Bikern Deutschlands gehört. Die Organisation des Trainings dürfte neben Führen eines eigenen Bikeshopes, Hausausbau und den üblichen Verpflichtungen eines zweifachen Vaters kein Kinderspiel sein. Doch am Ende wurde Schatzki doch mit dem Sie belohnt. Erfolge beim Enduro sind eben die Summe aus Tempo, Orientierungsvermögen, Erfahrung und passender Technik. 

Das Rennen an sich lief ganz ähnlich ab wie im Vorjahr. Die Streckenführung orientierte sich am ersten Drittel der Marathonstrecke. Der Verkehrsverbund Oberelbe, ein langjährige Mad East Sponsor organisierte wieder einen perfekten Shuttelservice von Geising zur ersten Wertungsprüfungen, die etwas verwinkelter als gewohnt über 120 Höhenmeter neben der weltbekannten Betonrinne ins Tal führte.

Völlig neu gestaltet, länger, flacher aber flowiger, war die Prüfung zwo vom Bergrücken der Tellkoppe nach Kipsdorf. Dafür gab es viel Lob für den Sektionsverantwortlichen Baumeister Markus. Beste Teilstrecke das vielstimmige Urteil. Tollkoppe statt Tellkoppe reimte der Moderator Uwe Buchholz hinterher.

Dann kam der längste aus eigener Kraft zu absolvierende Transfer. Rund 14 Kilometer über Berg und Tal, im Gelände, mit Schlamm, Wurzeln und Wiesen. Echtes Mountainbiking und im vergleich zur letztjährigen Streckenführung schöner, aber asphaltärmer.  

Mit kleinen oder auch je nach Mut und Tempo großen Sprüngen aufgepeppt wurden die zwei Prüfungen am Skihang in Hermsdorf. Hier lief in diesem Jahr auch erstmals der Schlepplift. Für nicht wenige eine zusätzliche Erfahrung, um nicht Hürde zu sagen!

Von Hermsdorf, dem entferntesten Punkt der landschaftlich vielseitigen Runde von insgesamt um die 30 Kilometer, gab es wieder einen Busshuttle zum Skihang Altenberg. Einige Teilnehmer hatten gerade dabei ihr Tief. In den Buspolster konnte einen leicht die Müdigkeit überkommen. Doch die schüttelten einem die vielen Wurzeln, Löcher und Wellen der vorletzten Prüfung aus den Knochen. Chefstreckenstecker Martin Gordzielik/Meißner Räder in Dresden, hatte diesen Abschnitt weniger eng und damit mehr DH-lastig als in den Vorjahren gesteckt, allerdings nicht ohne einen guten Tretanteil.

Keine großen technischen Schwirigkeiten, dafür ballern und gasgeben was geht war das Programm der letzten Stage. Fast traditionell ging es über einen letzten Steilhang und dann über einen Catwalk ähnlichen Steg mitten in die Eishalle. Danach noch fix die Sport Ident Transpponder ausgelesen schon lag das Mad East Enduro by Nicolai hinter einem. Die Niedersachsen traten auf Empfehlung von Teamfahrern und Mitarbeitern übrigens erstmals als Partner auf, stifteten einen Helius AFR Rahmen und waren hochzufrieden mit dem Flair, der Orga und dem sportlichen Anspruch. Auch Bergamont und Fi:zik liessen Sachpreise springen und waren mit ihren Teams am Start.

Ebenfalls in die Top Drei auf einer der Prüfungen konnten sich Falk Baron (Endrang 6) und Julian Reder (Endrang 10) eintragen. Die Top Drei der Internationalen DM waren am Ende eine Klasse für sich, doch auch die Plätze vier bis sechs hatten noch einigen Vorsprung vor dem Rest des Feldes, dass angeführt von Jan Lewiak, Altmeister Jörg Heydt oder Downhiller Hermes Schade zahlreiche Enduroerfahrene Piloten umfaßte. Mit 109 Teilnehmern hielt das Wachstum der Enduroklasse im Rahmen der Mad East Challenge 500 wie erwartet an. Erstmals waren auch FahrerInnen aus Tschechien und Österreich am Start.  

Überragend unterwegs war auch Ines Thoma vom Mountain Heros Team. Ihr großer Vorsprung von 1:40 min macht sie zur unangefochtenen ersten Deutschen Enduromeisterin. Damit nicht genug des Lobes. Bestzeit auf allen Etappen und Gesamtrang 25, was will man mehr. Damit ist ihre üppige Vita um einen Erfolg angewachsen. Wer es noch nicht mitbekommen hat, dem sei dazu ein kurzes Update gegönnt: Ines war schon 9. der XC WM, 3. einer EM, gewann den Bundesliga Sprint in Heubach 2008, den Enduroride in Willingen 2010 und 2011 die 12h WM und und und. Ein echtes All Round Talent auf höchstem Niveau bereicherte da das 3. Mad East Enduro. Auf zwei landete mit Susann Oehring vom Team Fi:zik weitere „Bayerin“, wenn auch keine Echte, da sie in den Thüringischen Downhillhochburgen Tabarz und Ilmenau den Weg vom Langlaufski zum Bike fand. Mit Gitty Nocker aus Innsbruck war das Damenpodium sogar international.

Der schnellste Hardtailfahrer wäre auf Rang 13 insgesamt gelandet. Elias Neubert, der im letzten Jahr noch zweiter der Hardtailwertung war, sicherte sich mit fünf von sechs möglichen Etappenbestzeiten den Klassensieg. Nur auf der zweiten Hermsdorfer Prüfung musste er Patrick Leicht, den späteren Gesamtzweiten, den Vortritt lassen.

Den dritten Platz sicherte sich wie im Vorjahr Junior Christian Ehrke.

Wie in den Jahren zuvor bewährte sich die Hardtail-Wertung. Zum einen, weil sie Gelegenheit bietet für junge Talente oder Quereinsteiger ohne echtes Endurobike einen fairen Wettkampf zu erleben. Zum anderen, weil sich immer auch scheinbare Exoten zu diesem Format hingezogen fühlen. Wie Martin Dinse, ein Mad East Enduro Wiederholungstäter. Er rollte in diesem Jahr auf 29 Zoll, mit Starrgabe und Single Speed, bog sich sein Hinterrad zum Kartofellchip und so gut es ging wieder gerade und bewies sein Fahrkönnen, indem er deutlichen Abstand zu den letzten Plätzen hielt.

Überhaupt steckte dieses Rennen voller Episoden. Ronny Seifert zum Beispiel schlug mit der Schulter an und stieg vorsichtshalber nach einer Etappe aus, begab sich als Zuschauer an die Piste und half dort einem Marathonracer, dem die Bremsbeläge verloren gegangen waren einfach mal durch Ausborgen seiner Hinterradbremse. Der glückliche Langstreckler, kein geringerer als Retrovelogründer Frank Patitz schaffte zwar nicht mehr die Karenzzeit für die Langstrecke, aber er konnte das Rennen auf der Kurzdistanz beenden. Oder Linn Handel und Christin Müller, die als Madiziner, sprich als bikende Rennärzte übrigens die gesamte Enduro Runde mitfuhren und immer bereit waren, Ersthilfe zu leisten. Eine ausgekugelte Schulter blieb dabei die einzige echte Behandlung. Gute Besserung wünschen wir aber auch allen mit den üblichen leichten Blessuren.

Am Ende sparten die Teilnehmer nicht mit Lob für die Organisation: Jörg Dittmann, eine Snowboardlegende des Erzgebirges, die schon zu DDR-Zeiten diesen Wintersport auf Selbstbaubrettern ausübte, Motorradendurofahrer und Surfer, brachte es auf den Punkt. „Bei so einem Event muss man einfach dabei sein.“ Es bleibt der Wunsch, weitere Veranstalter für dieses Format in Deutschland zu finden. Die InterDM soll übrigens auch 2012 wieder Teil der Mad East Challenge sein.

„Ich wollte nochmal kurz los werden, dass die Mad echt ne fette 1a Veranstaltung war.“ Matthias Faber, Bergamont, der Rennleiter der diesjährigen XO Endurochallenge in Winterberg kam aus Hamburg angereist

„Die Veranstaltung war ein Hit. Und genial organisiert. Wir hatten alle unseren Spass.“
Brigitte Nocker, Team Fi:zik, aus Innsbruck und damit eigentlich auch ganz gute Trails gewohnt

„Das hier hat voll Spaß gemacht.“
Rainer Gerster,
Team Fi:zik, Biker der ersten Stunde, der schon fast alles gesehen und befahren hat

„Der ersehnte Tag“
Team Pfadlinig
- übrigens der Ausrichter des nächsten Enduros am 6.8. zum EBM in Seiffen

„Obwohl die Mittelgebirge ja nicht unbedingt von Haus aus anspruchsvolle Trails bieten, habt ihr durch die vielen eingebauten Kurven und Richtungswechsel, das immer wieder nötige Antreten und das Einbauen von Sprüngen wirklich interessante Strecken abgesteckt. Dafür ein Lob von meiner Seite an alle, die für die Strecke verantwortlich waren!“
Susann Oehring,
Team Mountain Heros

„Nach der positiven Kritik und der einhelligen Meinung der besten und aktivtsen Enduro Fahrer aus Deutschland entschlossen wir uns, mit dem Titel InterDM zu arbeiten. Enduro ist ja weder von der UCI noch von BDR anerkannt und so war der Weg frei zu einem Modus, der offen ist für Starter aus anderen Ländern. In der DTM oder beim Motocross ist so was üblich. Und da die ganze Mad East Challenge schon immer ein grenzüberschreitendes Rennen war, war dieser Titel die logische Konsequenz.“
Uwe Buchholz,
Enduro-Rennchef

„Bei mir ist viel Lob abgeladen worden, dass gehört weitergegeben an die Richtigen. Sie haben im Vorfeld viel mehr getan. Also Riesendank an alle Helfer, Organisatoren, Steckenbauer, Zeitnehmer und so weiter. Allen voran dem unermüdlichen Matthias Mende, Albi Hänel und dem Mad East Kernteam, Martin Gorzielik, Markus aus Kipsdorf und Elmar stellvertretend für die Hermsdorfer."
Uwe Buchholz


„Wir überlegen, was wir nächstes Jahr noch besser machen können. Vielleicht zwei Tage Enduro?“
Albrecht Hänel,
Mad East Mad Men

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